Warum fällt regelmäßige körperliche Aktivität oft so schwer und welchen Einfluss hat hierbei unsere Umwelt?

der Anschluss an ÖPNV ist ungünstig, das nächste passende körperliche Aktivitätsangebot nicht erreichbar, der Gehweg in einem schlechten Zustand, der nächste Park zu weit entfernt das Sicherheitsgefühl im Wohnviertel mangelhaft, das Auto die beste Option sich fortzubewegen – All das können Barrieren sein, die das Bewegungsverhalten von älteren Menschen negativ beeinflussen. Dabei ist regelmäßige Bewegung im Alltag für ein gesundes Älterwerden extrem wichtig. In diesem Beitrag möchten wir den Blick deshalb auf fördernde Umweltverhältnisse werfen, die unsere Bewegungsverhalten positiv beeinflussen können.

Körperliche Aktivität im Alter:

In Deutschland ist ein Großteil der über 65jährigen Bevölkerung nicht ausreichend körperlich aktiv. Die, von der WHO empfohlenen 150 min. mit zusätzlichen Kräftigungs- und Mobilisationsübungen werden häufig nicht erreicht. Für positive Gesundheitseffekte, den Erhalt von Selbstständigkeit und sozialer Teilhabe ist regelmäßige körperliche Aktivität jedoch von nicht zu unterschätzendem Wert. Nun könnte man sagen, die Verantwortung liegt hier einzig und allein bei dem Individuum selbst und dessen Gesundheitsbewusstsein und Verhalten. Dabei darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass das Verhalten durch die Umwelt maßgeblich beeinflusst wird. So kommt also ein zweiter wichtiger Aspekt hinzu, nämlich die Verhältnisse unserer Umgebung, die dazu führen, dass die Barrieren für unser Aktivitätsverhalten größer oder kleiner erscheinen können.

Zum Thema bewegungsfreundliche Umwelt lassen sich hierbei verschiedene Aspekte identifizieren, die einen positiven Einfluss auf unser körperliches Aktivitätsverhalten haben können

Leben wir in einer Umgebung in, der Gehen und Radfahren die einfachste und logischste Wahl für die täglichen Wege ist, kann dies das Bewegungsverhalten und körperliche Aktivität maßgeblich beeinflussen. Dabei ist ein dichtes Netz aus Fuß- und Radwegen, Zebrastreifen und verkehrsberuhigten Zonen, dass Wohngebiete mit Alltagsorten wie Supermärkten, Ärzten, öffentlicher Nahverkehr verbindet ausschlaggebend. Gerade für ältere und bewegungseingeschränkte Menschen ist hierbei die Verlässlichkeit einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur wichtig, wie zum Beispiel ausreichend lange Ampelphasen, Bordsteinabsenkungen oder Vermeidung von Stolperfallen. Nur so ist es für ältere Menschen möglich sich sicher und barrierefrei in ihrer Umwelt zu bewegen, Stürze zu verhindern und Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten.

Des Weiteren ist es von großer Bedeutung aktivierende Freiräume zu schaffen. Neben einer funktionierenden Erreichbarkeit verschiedenster Ziele im Wohnumfeld, können zum Beispiel Erholungsgebiete, wie Waldflächen oder Parks zusätzliche Bewegungsanreize schaffen und körperliche Aktivität fördern. In einigen Städten, wie auch in Leipzig, gibt es beispielsweise speziell für Senior:innen Bewegungsparks mit angepassten Sportgeräten, die Koordination, Kraft und Ausdauer fördern und älteren Menschen die Möglichkeit geben niedrigschwellige Bewegungsangebote wahrzunehmen. Um Freiräume und Naherholungsgebiete auch für ältere und bewegungseingeschränkte Menschen attraktiv zu machen, ist es zum Beispiel bedeutsam ein ausreichendes Netz aus Sitzmöglichkeiten zu schaffen als auch Park und Naherholungsflächen (Seen, Flüsse, Wälder) durch den ÖPNV erreichbar zu machen.Freiräume können nur ganzjährig genutzt werden, wenn die Umgebung in der wir leben klimaresilient ist.

Die Veränderung des Klimas spielt gerade an heißen Sommertagen in Bezug auf Bewegungsmöglichkeiten eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dabei kann es helfen Gehwege durch Bäume zu beschatten, möglichst viele unversiegelte Flächen zu erhalten als auch Dächer und Fassaden zu begrünen, um Hitzestaus zu verhindern und Abkühlung zu schaffen. Senioren sind physiologisch weitaus anfälliger für extreme Hitze, da das Durstgefühl im Alter nachlässt und die Thermoregulation des Körpers langsamer arbeitet. Unverzichtbar sind daher öffentlich zugängliche, barrierefreie Trinkwasserbrunnen und schattige Ruheinseln, um älteren Menschen die Möglichkeit zu geben, auch an warmen Sommertagen aktiv zu sein und Alltagsaktivitäten (Einkaufen, Spazieren, Arztbesuche wahrnehmen) erledigen zu können.

Letztlich spielt auch die Soziale Umwelt und das Sicherheitsgefühl eine wichtige Rolle in Bezug auf unser Bewegungsverhalten in der Kommune. Neben einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur, städtebaulichen Anpassungen, erreichbaren Naherholungsgebieten und Sportstätten spielt auch die Gestaltung des Quartiers eine wichtige Rolle, um Anreize zu schaffen sich dort auch aufhalten und bewegen zu wollen. So kann ausreichende Beleuchtung am Abend, Sauberkeit sowie das Vorhandensein öffentlicher Toiletten die Aufenthaltsqualität in der Kommune verbessern und motivieren sich frei im eigenen Wohnviertel zu bewegen und mit anderen Menschen zu verabreden. Dies fördert soziale Kontakte und kann Einsamkeit gerade auch für Senior:innen vorbeugen, da eine einladende Umwelt auch zufällige Begegnungen bei zum Beispiel Spaziergängen fördern kann.

Eine Umwelt, die körperliche Aktivität ganz von selbst fördert

Neben der eigenen Verantwortung sich gesundheitsbewusst zu verhalten und regelmäßig körperlich aktiv zu sein, ist es auch von nicht zu unterschätzender Bedeutung die Umwelt so zu gestalten, dass Bewegung natürlicherweise in unseren Alltag integriert werden kann. Eine Reihe von Barrieren für die Sportteilnahme beziehen sich auf Umweltverhältnisse und nicht nur auf das Verhalten. Gerade, wenn körperliche Einschränkungen vorliegen kommen meist noch zusätzliche Umweltbarrieren hinzu, die eine gesundheitsförderliche Lebensweise deutlich erschweren. Wir bei Siel Bleu möchten wohnortnahe Bewegungsangebote fördern, über Bewegungsmöglichkeiten in der Umgebung aufklären und uns für bessere Bewegungsverhältnisse einsetzen, um ALLEN Menschen angepasste körperliche Aktivität zu ermöglichen. Denn Bewegungsförderung durch Abbau von Barrieren ist die beste Möglichkeit um gesundes Altern sowie ein lebendiges Miteinander zu fördern und der Gesundheit ein Lächeln zu schenken.

körperliche Aktivität im Alltag

Spaziergang als körperliche Aktivität im Alltag

Quellen:

Richter A.; Schienkiewitz, A.; Starker, A.; Krug, S.; Domanska, O.; Kuhnert, R.; Loss, J.; Mensink, G.B.M. (2021). Gesundheitsfördernde Verhaltensweisen bei Erwachsenen in Deutschland – Ergebnisse der Studie GEDA 2019/2020-EHIS. Journal of Health Monitoring, 6(3). DOI 10.25646/8460.2 Robert Koch-Institut, Berlin.

Robert Koch Institut (2023). Wie geht es den Menschen ab 65 Jahren? Bundesweite Studie zur Gesundheit älterer Menschen in Deutschland, doi: https://www.rki.de/DE/Themen/Nichtuebertragbare-Krankheiten/Studien-und Surveillance/Studien/Gesundheit65plus/abschlussbroschuere.pdf?__blob=publicationFile&v=1

WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour. Geneva: World Health Organization; 2020. Licence: CC BY-NC-SA 3.0 IGO.

Bucksch, J.; Schneider, S. (2014). Walkability. Das Handbuch zur Bewegungsförderung in der Kommune. Hans Huber Verlag: Bern.